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Frederiksborger Jarl

Ein Glück kommt selten allein ...

Als Wembley langsam auf den 20er zusteuerte war es an der Zeit sich um ein Nachwuchspferd umzusehen. Aber welches Pferd würde wohl in Wembley's große Fußstapfen treten können? Meine Sorge, ich würde kein passendes Pferd finden war groß. Ausserdem wollte ich nicht viel Geld ausgeben. Ich tröstete mich mit dem Gedanken, daß ich aus jedem Pferd etwas machen könnte, und mir mein zukünftiges Pferd, durch die Arbeit mit der Akademischen Reitkunst, prächtig reiten wolle. Mein Weg führte mich nach Dänemark, und ich entdeckte die fast schon vergessene Rasse des Frederiksborger Pferdes. Ich wollte niemals einen Fuchs! Nun weiß ich, die Farbe ROT ist unglaublich schön für ein Pferd!

Wembley's „kleiner Bruder“ ist der 1,60 m große Frederiksborger Hengst Jarl. Jarl wurde im Mai 2000 in Dänemark geboren. Als ich begann, mich nach einem Nachwuchspferd umzusehen, habe ich von Herrn Branderup Fotos von Jarl bekommen. Sein Züchter hatte sie ihm geschickt und wollte den damals noch völlig rohen 4-Jährigen an einen Reiter aus Bent's Schülerschaft verkaufen. Ich muß gestehen, dass mir das Pferd auf den Fotos nicht sonderlich gefiel, nur der wache aufmerksame Blick ist mir sofort positiv aufgefallen. Ich bat den Züchter um Videoaufnahmen die Jarl auf der Weide freilaufend zeigten. Das war dann allerdings überzeugend ...
Dann ging es sehr schnell. Unsere Fahrt mit dem Pferdeanhänger nach Dänemark, die Pferdebesichtigung, der Kauf und der Heimtransport des Pferdes dauerten gerade mal 5 Tage. Aber es sollte die richtige Entscheidung sein. Jarl ist ein echter Schatz. Er ist völlig unkompliziert und problemlos als Hengst zu halten. Er ist feinfühlig, verschmust, zwickt nicht und hat auch sonst keine Hengstmanieren. Er begreift sehr schnell, ist sensibel, neugierig und mutig, er ist immer lern- und leistungsbereit und sehr menschenbezogen. Jarl ist ein Pferd, das es einem immer recht machen will und sich freut, wenn man ihm zu verstehen gibt, dass er seine Sache gut gemacht hat. 

Jarl hat ein sehr harmonisches Exterieur, ist stark bemuskelt und bewegt sich kraftvoll und geschmeidig aus der Hinterhand. Er war schon als 4-Jähriger sehr gut ausbalanciert und tritt mühelos zum Schwerpunkt. Dadurch lässt er sich bequem sitzen und ist leicht an der Hand. 

Bent hat sich die Mühe gemacht, Jarl's Ahnenreihe zu erforschen. Dabei ließ sich der Stutenstamm bis kurz vor 1900 nachvollziehen und die Hengstlinie lückenlos bis 1690 zu einem Hengst Namens Mignon zurückverfolgen!

Meine Bedenken, dass Jarl womöglich nicht in Wembley's Fußstapfen treten könnte, stellten sich als völlig unbegründet heraus. Ich denke, ich hatte großes Glück, ein Pferd wie Jarl zu finden und freue mich jeden Tag über meinen charmanten Freddi.

 

Nachtrag Jänner 2009:

Leider hat Jarl seit Frühling 2008 mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Da er seine Erkrankungen auch an seine Nachzucht weitervererben könnte, habe ich den Gedanken verworfen, ihn als Deckhengst zur Verfügung zu stellen. Durch seine Erkrankungen ist sein Leben stressiger und komplizierter geworden. Wenn im Frühling wieder das Testosteron anflutet, würde sich sein Zustand weiter verschlimmern. Deshalb habe ich ihn im Jänner 2009 kastrieren lassen. Eine schwere Entscheidung für mich, für Jarl soll sie einen Stressfaktor in seinem Leben ausblenden und Erleichterung bringen. 

 

Nachtrag März 2010:

Den letzten Winter und Frühling haben wir gut überstanden! Die homöopathische Behandlung, so wie der Kälte- und UV-Lichtschutz für Gesicht und Augen haben sich bewährt, so daß Jarl nahezu symptomfrei blieb und das Training mit ihm uneingeschränkt erfolgen konnte.

Das hat Früchte getragen. Seit November 2009 beschäftigen wir uns mit den Schulen über der Erde. Jarl ist trotz seiner Masse unwahrscheinlich geschickt, kraftvoll und flink. Er hat enorme Power für die Sprünge und einen Riesenspaß daran. Von Courbetten, bis Ballotade, Kapriole, Kroupade war schon alles dabei. Sicher, Könner sind wir darin noch lange nicht, aber ... der Weg ist das Ziel!

 

Nachtrag Mai 2012:

Mit Jarl habe ich nach meiner Schwangerschaft und den ersten Monaten mit Baby, im Herbst 2011 wieder zu arbeiten begonnen.

Über den Winter habe ich mit Jarl viel an der Entwicklung und Verbesserung des Terre à Terre gearbeitet. Der Plan wäre, mit Jarl die Terre à Terre Prüfung abzulegen, ich hoffe, wir kommen so weit! Die Schwierigkeit liegt darin, daß bei der Prüfung der Terre à Terre in Schulterherein, Kruppeherein, Pirouette und geradegerichtet, sowie Übergänge von und zu Piaffen, zu zeigen sind. In den Seitengängen muß dafür die innere Pferdehüfte weiter vorne liegen. In den Lektionen fällt leicht die Hüfte aus, und es kommt zum sogenannten Kreuz-Terre à Terre. Fazit ... wir üben weiter

Die Piaffe konnte ich leider nicht weiterentwickeln. Ich habe jetzt begonnen, sie nicht mehr so stark vorwärts zu reiten, sondern mehr auf die Stelle, und habe das Gefühl, daß ich damit weiterkomme. Weiters arbeite ich Jarl zur Zeit gerne auf Trense, das erleichtert es sehr, seinen Drang zum Eilen in Dehnungshaltung und auf die Vorhand zu fallen, unter Kontrolle zu halten. 

Der milde Winter war gut für Jarl, mit dem Gesichtsnerv gab es durch die geringe Kälte kaum Probleme.

 

Nachtrag vom Jänner 2017

Seit Ende 2012 sind wir nun im Wendlmuth und es hat sich wahrlich viel geändert! Der Stall ist für Jarl optimal, seit wir hier sind hatte er nur noch vereinzelt Beschwerden wegen seinem Gesichtsnerv.

Beim Reiten und auch in der Boden-/Handarbeit habe ich viel verändert und damit Positives bewirken können. Durch eine deutlich höhere Genickhaltung habe ich erreicht, daß Jarl nun seinen Widerrist und damit Brustkorb besser heben kann. Dadurch habe ich über die Zeit das Eilen und Abwärtsdrängen komplett in den Griff bekommen. Mittlerweile fällt es Jarl auch etwas leichter die Kruppe zu senken.

Ich achte sehr explizit darauf ihn nicht mehr zu überbiegen, dadurch hat er eine wesentlich bessere Balance bekommen, was sich wiederum positiv auf meinen Sitz ausgewirkt hat. Zusätzlich arbeite ich Jarl jetzt vermehrt auf Bosal, aber auch mit Kappzaum und bemühe mich in meiner Hilfengebung sehr sparsam, achtsam und präzise zu sein.
Mir ist es besonders wichtig, daß das positive Feedback ans Pferd überwiegt und Korrekturen nicht als Strafe empfunden werden. Nach jeder Trainingseinheit soll er sich dicher sein, daß ich sehr stolz auf ihn bin.

Ausbildungsstand Jänner 2017

Alle Seitengänge und Pirouetten (Schritt, Trab, Galopp), Schulhalt, Schulgalopp, Terre á Terre, Mezaîr, Fliegende Galoppwechsel, Piaffe, Passage, Spanischer Schritt, Arbeit an der Garrocha, Übungen im Waffengarten, Reiten im Damensattel, Langer Zügel, feinste Boden-/Handarbeit, Levade, Courbette, Ballotade

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